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Geschichte Xi'an

Xi'an (西安 = Westlicher Frieden; sprich Schi An) ist eine von 15 Unter-Provinzstädten Chinas und die Hauptstadt der Provinz Shaanxi. Die Stadt zählt heute rund 7,5 Millionen Einwohner und spielt ökonomisch, kulturell und bildungstechnisch eine wichtige Rolle.

221 v. Chr. wurde Chang’an (长安 = immerwährender Friede), wie die Stadt damals genannt wurde, nach der erstmaligen Vereinigung Chinas die erste Hauptstadt des Reiches und war auch in den darauf folgenden Jahrhunderten immer wieder Regierungssitz verschiedener Kaiserreiche. Insgesamt wählten dreizehn Dynastien die Stadt als Regierungssitz womit Xi’an neben Peking, Nanjing und Luoyang zu den „4 großen historischen Städten“ Chinas zählt. Darüber hinaus markiert Xi’an auch den Ausgangspunkt der Seidenstraße, und somit jener Handelsroute, die sich im Mittelalter von China 6000km bis nach Rom erstreckte. Den heutigen Namen Xi’an verlieh ihr der erste Ming-Kaiser Hongwu im Jahre 1369.

Im Jahre 18 n. Chr. wurde die Stadt nach einem Aufstand schwer zerstört, woraufhin sie den Status als Hauptstadt verlor. Während der Regentschaft der Sui (581 - 618) und der darauf folgenden Tang (618–907 n. Chr.) erlangte die Stadt ihre Wichtigkeit zurück, wurde allerdings zwischenzeitlich in Daxing umbenannt. In dieser Zeit gedieh die Stadt zu einer Metropole, die mit einer Fläche von 88 km2 und einer Bevölkerung von ungefähr 1 Millionen Menschen zur größten Stadt der Welt anwuchs.

Die Armee und ihr Kaiser

Viele Personen nehmen einen bedeutenden Platz in der Geschichte Chinas ein. Qin Shi Huangdi (秦始皇帝) jedoch ist einer der Wichtigsten. Geboren als Sohn eines Angehörigen des Fürstenhauses Qin und einer Konkubine, wurden unter seiner Herrschaft die bis zu diesem Zeitpunkt unabhängigen Feudalstaaten 221 v. Chr. das erste Mal in einem Großreich vereinigt. Der Name des Herrschers setzt sich aus dem Namen seines Stammes, Qin (秦), und der Bedeutung „erster Kaiser“ (shi huangdi 始皇帝) zusammen. Seinem Namen Qin folgend wurde das Land über die Grenzen hinaus als China bekannt.

Um die Macht auszubauen und bessere Kontrolle über das Land zu haben, führte der erste Kaiser weit reichende Reformen durch, die China bis zum heutigen Tage beeinflussen. Qin Shihuang organisierte das neu gegründete Reich als zentralistischen Staat, und gliederte das Land in 36 Präfekturen, die selbst wiederum in Verwaltungsbezirke unterteilt waren. Außerdem leitete Qin Shihuang den massiven Ausbau der Infrastruktur durch Überland- und Wasserstraßen ein. Um ein einheitliches Steuersystem etablieren zu können und seine Befehle im ganzen Land verstanden zu wissen, veranlasste er zudem nicht nur die Vereinheitlichung von Maßen, Gewichten und Schrift, sondern führte auch die erste landesweite Währung ein. Der Regent legte damit den Grundstein für Chinas gesellschaftliche Strukturen, wie sie bis heute überdauert haben. Darüber hinaus befahl der Kaiser  die bereits existierenden Fragmente der Großen Mauer zum Schutz gegen die von Norden angreifenden Nomadenvölker zu verbinden und auszubauen und schuf dadurch ein weiteres Wahrzeichen Chinas.

Qin Shihuangs ehrgeizigstes Projekt jedoch war der Bau seines eigenen Grabmals, welches das teuerste Projekt in der Geschichte Chinas werden sollte und vermutlich ein Drittel des damaligen Staatshaushalts verschlang. Schon kurz nach der Thronbesteigung 246 v. Chr. - der Herrscher war damals gerade einmal 13 Jahre alt - veranlasste Qin Shihuang den Bau seiner Grabstätte. Die Bauzeit wird heute auf 38 Jahre geschätzt, während derer bis zu 700.000 Arbeiter gleichzeitig beschäftigt waren. Neben der riesigen und sehr aufwendigen Errichtung des Mausoleums wurde jeder Krieger individuell gestaltet, sodass die Gesichtszüge jeder einzelnen Figur einzigartig sind. Der Kaiser, der als erster Herrscher China einte, hatte seine Armee buchstäblich mit ins Grab genommen. Dies kommt dem bis heute existierenden chinesischen Verständnis vom Leben nach dem Tod nahe. Heutzutage verbrennen die Menschen für ihre verstorbenen Angehörigen selbstgebastelte Luxusgegenstände und imitierte Geldscheine, um das Leben im Jenseits so bequem wie möglich zu gestalten. Qin Shihuang jedoch ließ seine gesamte Armee in Lebensgröße nachbauen, um sich auch nach der Zeit seines Ablebens gegen mögliche Feinde zu schützen. Da er das Geheimnis seiner Grabstätte gewahrt wissen wollte, mussten dem Kaiser aber auch unzählige Arbeiter und Konstrukteure in lebendigem Zustand folgen.

Nach nur 12 Jahren Regentschaft starb der erste Kaiser Chinas im Alter von 49 Jahren, während er auf einer Inspektionsreise auf dem Land unterwegs war. Sein zweitgeborener Sohn, Qin Er Shi, der seinen Vater als Herrscher beerbte, war nicht in der Lage, das Reich erfolgreich weiterzuführen. Schon vier Jahre nach dem Tod des Vaters kam es zu Aufständen, bei denen die zuvor ausgebeuteten Bauern auch das Mausoleum plünderten und dabei die aus Holz gefertigte Grundkonstruktion in Brand setzten. Die einstürzenden Schächte zerschmetterten viele Figuren und ließen das Grabmal für über zweitausend Jahre in Vergessenheit geraten. Im Jahr 206 v. Chr. besiegelte der Mord an Qin Er Shi das Ende der Qin-Dynastie (221 - 209 v. Chr.). Qin Er Shi konnte den Wunsch des Vaters, dass die Qin für 10'000 Generationen herrschen mögen, nicht erfüllen.

Das Mausoleum heute

Das Jahr 1974 sollte ein sehr bedeutendes für die Stadt werden. Im Nachbarort Lintong stießen Bauern beim Graben eines Brunnenschachts auf die Überreste der Terrakottakrieger. Bei ersten Analysen der zum Großteil zerbrochenen, 180cm messenden Figuren fand man das Alter und die Bedeutung der Fundstücke heraus. Informationen über den spektakulären Fund hielt man zunächst geheim. Als die Nachricht dennoch publik wurde, war die Begeisterung über den Fund groß. Nach 2200 Jahren unter der Erde gelangten die ersten Krieger nun wieder an die Oberfläche. Das Mausoleum von Qin Shihuang ist einer der bedeutendsten archäologischen Funde des zwanzigsten Jahrhunderts und wurde auch deshalb schnell über die Grenzen Chinas bekannt. Obwohl bis heute über 50 Kaisergräber in der Region Xi’ans gefunden wurden, ist das des Kaisers Qin Shihuang am Bekanntesten.

Bis dato wurden rund 8000 lebensgroße Terrakottakrieger ausgegraben, wobei die tatsächliche Anzahl der noch verborgenen Figuren nicht bekannt ist. Der damaligen Kampfformation entsprechend sind die Krieger rund um das eigentliche Grabmal des Kaisers positioniert. Auch heute ist nur ein kleiner Teil der Armee ausgegraben, das Mausoleum des Herrschers selbst wurde noch nicht geöffnet. Letzteres ist per Regierungsbeschluss unter Höchststrafe verboten. Das Mausoleum des Kaisers Qin Shi Huang Di gilt heutzutage neben der Großen Mauer als eines der wichtigsten Kulturgüter Chinas. Seit 1987 ist die Tonarmee als Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt und ist inzwischen eine der größten Touristenattraktionen, die man bei einem Besuch im Reich der Mitte keinesfalls missen darf.

Zum Museum

Das Museum der Terrakottaarmee in Xi’an erstreckt sich über 20 Hektar und ist unterteilt in 3 Hallen, welche die insgesamt rund 8000 lebensgroße Fuß- und Reitsoldaten mitsamt Pferden, Kriegswagen und echten Waffen (Schwerter, Pfeilspitzen, Armbrüste) beherbergen. Die Armee ist auch heute so positioniert, wie sie während der Erbauung aufgestellt wurde. So ist es möglich, einen Eindruck über die damaligen Kampfformationen und vorherrschende Kriegsstrategien zu bekommen.

In der Haupthalle stehen die Soldaten in Schlachtordnung. In den ersten drei Reihen (bestehend aus 204 Bogenschützen) befindet sich die Vorhut. Darauf folgt die Hauptarmee, welche aus vermutlich 6.000 gepanzerten und ungepanzerten Soldaten besteht. Außerdem enthält das Areal 30 Streitwagen, die jeweils von vier Pferden gezogen wird. Rund um die Hauptarmee herum schützt eine Reihe von Bogen- und Armbrustschützen in jede Himmelsrichtung vor Angriffen. Da die Grube bisher noch nicht komplett freigelegt wurde, kann die Gesamtzahl der Terrakottakrieger nur anhand der bisher ausgegrabenen Figuren und deren Formation geschätzt werden. In der zweiten Grube befinden sich insgesamt 1300 Infanteristen, Kavalleristen und Streitwägen. Die dritte Grube ist mit 68 Kriegern die kleinste und wurde im Jahr 1976 entdeckt. Sie beherbergt „hochrangige“ Krieger, die von Archäologen dem Kommandostab zugeordnet werden.

Quellen:     Wikipedia
                 NDR Dokumentation (2005) aus der Serie Chinas Kapital: „ Die unsterblichen Krieger“
                 Zhang, Lin (2005). The Qin Dynasty Terra-Cotta Army of Dreams. China, Xi’an Press.